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Veganer, Vegetarier, Flexitarier, Pescetarier und Pollotarier – eine Definition

Veganer, Vegetarier, Flexitarier, Pescetarier und Pollotarier – eine Definition

Der Trend für gesunde Ernährung ist weiter auf dem Vormarsch. Neben Vegetarier gibt es mehrere Formen mit unterschiedlichen, neuen Begriffen, wie zum Beispiel der Flexitarier.

Viele pflegen ihre eigene Form der Ernährung und wissen vielleicht gar nicht, dass es schon eine Bezeichnung dafür gibt. Also dachte ich mir, ich bringe etwas Licht ins Dunkel der Ernährungsphilosophien.

Vor einiger Zeit habe ich von Menschen gehört, die sich zu 90% aber eben nicht ausschließlich vegetarisch ernähren. Sie heißen „Flexitarier“ oder auch „Halb-Vegetarier. Ich habe mich sofort wieder erkannt. Viele Jahre habe ich voll vegetarisch gegessen. Mittlerweile hat sich das etwas aufgelockert und ich halte mich nicht mehr sklavisch daran. Das heißt, auch wenn ich die meiste Zeit vegetarische Nahrung zu mir nehme, überkommt mich dann und wann das Bedürfnis auf etwas anderes. Das kommt nicht häufig vor, aber wenn dann verkneife ich es mir nicht mehr, sondern gebe nach. Vielleicht passt auch der Begriff „Flexi-Pescetarierin“ besser zu mir, weil ich viel Fisch esse. Die unterschiedlichen Definitionen von „vegetarisch“ sind wohl daran schuld, dass man jetzt eindeutigere Begriffe für jeden einzelnen Typ findet. Denn für manche gelten Fisch-Esser nicht als Vegetarier. Andere wiederum sehen nur den Verzicht auf Fleisch als vegetarisch an. Deswegen hier die (wertungsfreien) Definitionen der unterschiedlichen Ernährungsformen. Manche Begriffe sind noch nicht so eingedeutscht wie Vegetarier und ich habe sie im Netz auch nicht auf Deutsch gefunden. Deswegen habe ich die englischen Begriffe noch dazu geschrieben:

Vegan: die strengste Form, da sie auf rein pflanzlichen Zutaten basiert. Ein echter Veganer isst keinerlei tierische Produkte, beziehungsweise Produkte, die in irgendeiner Form mit Tieren zu tun haben. Also kein Fleisch, kein Fisch, keine Milchprodukte oder Eier. Aber eben auch keinen Weißwein. Denn bei der Klärung von Weißwein werden Gelatine oder andere auf tierischer Basis beruhenden Stoffe eingesetzt.

Vegetarisch: ein richtiger Vegetarier isst kein Fleisch. Die Definition dafür ist, alles was Augen hat kommt nicht auf den Teller. Das umfasst auch Geflügel, Fisch und Meerefrüchte. Der vegetarische Speiseplan sieht hauptsächlich pflanzliche Zutaten vor, aber Milchprodukte oder Eier sind erlaubt.

Flexitarier sind der neue Trend in Deutschland

Flexitarier (engl.: Flexitarian): das sind flexible Vegetarier. Man könnte auch Vegetarier mit weniger strengen Regeln dazu sagen, auch wenn Vegetarier das sicher verneinen. Also zum Beispiel jemand, der sich 6 Tage die Woche streng vegetarisch ernährt und am Sonntag einen saftigen, frischen Hamburger oder Rührei mit Speck (in meinem Fall Parmaschinken) genießen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Fisch

Frische Paradises Hamburg

Pescetarier (engl.: Pescatarian): eine Art “halber Vegetarier”. Sie essen kein Fleisch oder Geflügel, dafür sind Fisch und Meeresfrüchte erlaubt. Man könnte auch sagen, Pescetarier essen nichts, was an Land herum läuft.

Pollotarier (engl.: Pollotarian): auch ein Teilzeit-Vegetarier. In diesem Fall ist rotes Fleisch ausgeschlossen. Alles andere wie Geflügel, Fisch, Milchprodukte und Eier ist erlaubt. Deswegen auch das „Pollo“ im Namen, das auf das Wort „Huhn“ verweist.

Außerdem gibt es noch verschiedene Ovo-Lakto-Vegetarier:

Lakto-Vegetarier: dieser Typ vermeidet Fleisch, Geflügel, Fisch oder Eier. Erlaubt sind Milchprodukte wie Butter, Käse, Milch oder Joghurt.

Ovo-Vegetarier: Im Grunde ein Vegetarier, der Eier-Produkte und sonst keine Milchprodukte zu sich nimmt.

Eier vom Markt

Eier vom Markt

Ovo-Lakto-Vegetarier: der am meisten verbreiteste Typ des Vegetariers oder was viele dafür halten. Der Ovo-Lakto-Vegetarier und der Vegetarier sind im Prinzip dasselbe. Sie essen alles, außer tote Tiere. Sie sind sehr nahe an der aktuellen ernährungswissenschaftlichen Empfehlung für eine vollwertige Mischkost. Diese erlaubt ohnehin nur 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche, dazu noch zwei Portionen Fisch. Die wertvollen Nährstoffe, die den Eier-Milch-Pflanzen-Essern durch den Verzicht auf Fleisch und Fisch entgehen, ersetzen die weiterhin erlaubten Lebensmittel ohne weiteres: Milch und Käse liefern Protein, grünes Blattgemüse enthält reichlich Eisen. Und auch Vitamin B12steckt genug in Milchprodukten. Die Bezeichnung „Lakto“ stammt aus dem Lateinischen für Milch und „Ovo“ steht für Ei.

Was ist die Motivation dafür vegetarisch zu essen? Hier gibt es unterschiedliche Faktoren, die sich natürlich manchmal überschneiden. Sie erklären auch, warum es verschiedene Formen der Vegetarier gibt. Hier ein Überblick:

Der gesundheitsbewußte Vegetarier: mit Sicherheit die größte Gruppe. Denn Fleischgenuss ist nicht unumstritten. Die Wissenschaft ist sich einig, dass man rotes Fleisch meiden sollte. Bei Geflügel ist das schon nicht mehr so eindeutig und das Fisch gesund ist, lässt sich nicht abstreiten. Allerdings weiß man nie so genau, was im Fleisch drin ist. Und selbst wenn die Tier artgerecht gehalten werden, ist noch nicht klar, welches Futter oder Medikamente sie bekommen haben (das gilt vor allem für Fisch). Dieser Vegetarier verzichtet auf Kompromisse und damit auf Fleisch und Fisch komplett.

Der umweltbewußte Vegetarier: seine Hauptmotivation ist der Schutz unserer Umwelt. Die industrielle Massenproduktion geht immer auf Kosten der Umwelt. Und wenn es nur der Transport der Lebensmittel über weite Strecken ist. Die Verantwortung gegenüber unserer Umwelt ist hier der Treiber.

Der ökonomische Vegetarier: er isst Gemüse hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen, weil qualitativ hochwertiges Bio-Fleisch sehr teuer ist. Das ist kein offizieller Typus, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass das auf viele Leute zu trifft, denn mal eben 30 Euro oder mehr für eine 4-köpfige Familie für Fleisch auszugeben ist nicht für jeden machbar.

Der moralische Vegetarier: er isst kein Fleisch aus moralischer Überzeugung. Zum einen sind diese Menschen verständlicherweise gegen die Massentierhaltung. Doch sie sind dabei so radikal, dass sie jede Tötung von Tieren ablehnen. Das sind meist die hard-core Vegetarier. Ich bin grundsätzlich auf ihrer Seite, denn Tiere sollten mit Respekt behandelt werden und nicht leiden. Das bringt mich zum….

Reducetarianism (hier fällt mir kein passendes deutsches Wort ein): das bedeutet schlichtweg, weniger Fleisch essen. Diese Gruppe oder Bewegung besteht aus Menschen, die ihren Fleischkonsum der Gesundheit zuliebe einschränken. Außerdem wird die Umwelt geschont und die Massentierhaltung vermieden. Für diese Gruppe oder, die die dazu gehören wollen, gibt es einen schönen Vortrag von Graham Hill, der in der TED-Reihe zum Thema Vegetarier gesprochen hat (leider nur auf Englisch). Ein sehr schöner Vortrag, der es auf den Punkt bringt, wie ich finde. Er propagiert damit anzufangen einmal pro Woche einen vegetarischen Tag einzuführen, oder den Fleischkonsum auf die Hälfte zu reduzieren. Das ist mir viel zu wenig, aber für viele sicher ein guter Start, der nicht so schwer fällt.

Es gibt viele Gründe, vegetarischem Essen den Vorzug zu geben oder zumindest einen großen Teil der Nahrung in vegetarischer Form zu sich zu nehmen. Vegetarisches Essen ist gut für den Körper! Aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen macht es Sinn. Auch wenn man nur damit anfängt, unter der Woche oder nur am Wochenende vegetarisch zu essen. Das Allensbach-Institut verweist auf mittlerweile 7,8 Millionen Menschen in Deutschland, die sich zumindest teilweise aus Überzeugung vegetarisch ernähren. Das sind ca. 10% der Bevölkerung. Wenn man das mit der Zahl von 0.6% der Bevölkerung vergleicht, die das GFK-Marktforschungsinstitut im Jahr 1983 veröffentlicht hat, dann ist der Trend deutlich sichtbar. Das geht einher mit der wachsenden Beliebtheit von Bio-Produkten und den verschiedenen Bio-Labeln, die einem beim Einkaufen begegnen. Die Zahl wird sicher weiter ansteigen, da auch die Begeisterung für saisonale und regionale Produkte wächst. Und ich bin schon gespannt, wie die ganzen englischen Begriffe sich in die deutsche Sprache einschleichen werden :-)

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3 Kommentare

  1. Selina sagt

    Hey. Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Danke für das Licht in’s dunkle bringen. Einige Ernährungsformen kannte ich bis eben sogar noch nicht. Wieder mal was dazu gelernt.

    Es gibt viele Gründe sich vegetarisch oder ähnlich zu ernähren.
    Ein ganz simpler Grund, der nicht genannt wurde ist meiner…
    Mir schmeckt Fleisch einfach nicht.
    Ja ist wirklich so. Finde daran nicht’s lecker und das war bei mir schon als Kind so.
    Immer wieder werde ich auf diese Aussage ganz ungläubig angeschaut.
    Habe auch noch nie einen Gleichgesinnten getroffen…. Die meisten Leute lieben eben diesen Geschmack, darum auch die ganzen vegetarischen Produkte die nach Fleisch schmecken sollen. Hm nicht’s für mich.
    Aber natürlich jeder wie er mag.

    Nochmal Kompliment an deinen Blog.
    Liebe grüße

    • Liebe Selina, da hast Du natürlich vollkommen Recht. Schmecken soll es ja auch. Ich mag zum Beispiel keine Milch. Also trinke ich auch keine. Danke Dir für das Kompliment :-) Liebe Grüße Elle

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